Samstag, 12. August 2017

Und SAT.1 sah, dass es der Dschungel war

© SAT.1
Als SAT.1 Promi Big Brother 2013 nach Deutschland holte, war relativ schnell klar, dass das ein Angriff auf das Dschungelcamp von RTL wird. Für diesen Eindruck sorgten sowohl die zurechtgestutzte Länge auf zwei Wochen und die Sendezeit um 22:15 Uhr als auch die Verpflichtung von zwei Comedians als Moderatoren. Das Format hatte aber weiterhin einige Alleinstellungsmerkmale, die sich vor allem darin widerspiegelten, dass alles mehr live und näher am Zuschauer ist. Dazu gehörte nicht nur der 24 Stunden-Live-Stream, sondern auch die hohe Schlagzahl an Live-Schalten während der Sendung ins Haus. Vor allem die Auftaktshow bestand größtenteils darin, dass die Kandidaten live in das Haus einzogen.

SAT.1 hat sich mit der neuen fünften Staffel davon leider noch weiter entfernt. Der Einzug wurde vollständig vor zwei Tagen aufgezeichnet und nur in Ausschnitten gezeigt. Man konnte nun sehen, wie die Kandidaten in den als "Nichts" deklarierten armen Bereich einzogen und sich dafür zehn Luxusartikel einpackten. Mit den abgelesenen Witzen des neuen Moderatoren-Duos Jochen Schropp und Jochen Bendel zwischen den Beiträgen wirkte das ganze bereits wie die Mischung aus einer normalen TZF und der Dschungelcamp-Auftaktshow. Da brachte es auch nichts, dass zwischenzeitlich ins Sprechzimmer geschaltet wurde ("Wir sind die Jochis!"), um mit einigen Kandidaten zu reden. Nun gut, wenigstens stellten sie sich nicht als Moderatoren der Sendung vor.

Auch den Live-Stream hat man abgeschafft und das Studiopublikum gab es nur noch als eine Art Public Viewing in einem Hühnerstall, der mal als Halle Karriere machen wollte. Davon entfernten sich die Moderatoren ob des asozialen Publikums verständlicherweise frühzeitig, um von ihrer Moderations-Sitzecke aus mehr oder weniger lustige Sprüche zu den Telefonnummern der Kandidaten aufzusagen. Auch das kommt uns bekannt vor.










Zugegeben, die Moderationen von Doppel-Jochen waren wenigstens etwas besser als das, was uns von Cindy aus Marzahn und Désirée Nick in den letzten Jahren aufgetischt wurde und man muss SAT.1 ja schon dafür loben, dass sie nicht das vierte Mal in Folge die Auftaktshow des Vorjahres kopiert und sich endlich von ihrem heißgeliebten Keller getrennt haben. Aber die wirklichen Baustellen wurden auch hier leider nur halbärschig beseitigt: Viele Fans hatten sich gewünscht, dass die Bereiche endlich wieder nebeneinander liegen und nur durch eine kleine Mauer voneinander getrennt werden, damit Konflikte weitergetragen werden können und keine isolierte Zweigruppenbildung entsteht. Das wurde auch so umgesetzt, dafür kommt jetzt allerdings ein Tor von oben runter, was die Bereiche doch wieder voneinander abschottet. Ein größeres Matchfield hat man ebenfalls integriert, aber auch hier lässt man wieder nur zwei Bewohner gegeneinander antreten und muss das dann auch noch mit Stellvertretern machen, weil die eigentlich gewählten Kandidaten gesundheitlich nicht daran teilnehmen können. Und wenn dann auch noch beide Stellvertreter verlieren sollen, weil jeder lieber den jeweils anderen im reichen Bereich sehen will, und das Spiel durchgängig mit alberner Musik hinterlegt wird, ist das halt alles eher lächerlich als spannend.

Fazit: Vielleicht sollte man nächstes Jahr lieber wieder Die Alm zeigen - da hat Daniel Aminati wenigstens noch zugegeben, dass es sich um eine dreiste Dschungelcamp-Kopie handelt. Ansonsten sollte man wirklich darüber nachdenken, ob so eine Nachahmung ernsthaft das ist, was die Show gebraucht hat.

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